Wildschwein
Beschreibung
Allgemein
Neben dem Rothirsch zählt das Wildschwein zu den grössten Tieren, welche noch wild leben, in Mitteleuropa. In der Jägersprache wird das Wildschwein auch als Schwarzwild bezeichnet. Das männliche Wildschwein wird Keiler benannt, das weibliche Schwarzwild als Bache und neu geborene Jungtiere als Frischlinge. Die Lebenserwartung vom Schwarzwild liegt zwischen 15 und 20 Jahre. Wildschweine sind überwiegend Vegetarier. Im Sommer bevorzugen sie meist Feldfrüchte wie Mais, Kartoffeln, milchreifes Getreide usw. Im Herbst hingegen liefern Eicheln, Bucheckern und Kastanien Nahrungsgrundlage. Tierische Nahrung wird nur gering aufgenommen, diese soll 10% der Aufnahme ausmachen. So zum Beispiel Mäuse, Bodeninsekten, Aas und soweit erreichbar, Jungtiere.
Gewehre und Haderer
Die Dauereckzähne im Unterkiefer der Keiler werden als Gewehre, im Oberkiefer als Haderer bezeichnet. Jahr für Jahr wachsen beide in die Länge. Da die Gewehre an den Haderern gewetzt werden, bilden sich Schleifflächen, welche die Gewehre spitz zulaufen lassen, so werden sie zu wirklichen Waffen.
Wann greifen Sauen (Bachen) an
Gesunde Wildschweine vermeiden dies in aller Regel. Ausnahmen gehen häufig aus 2 Gründen hervor. Die Bache verteidigt ihre Frischlinge, vor allem in der Nähe des Wurfkessels. Hier hilft es schon, wenn man sich rasch, weit entfernt. Der andere Grund sind kranke und/oder verletzte Wildschweine.
Lebensraum in Deutschland
In Deutschland bieten der hohe Waldanteil, sowie der intensive Anbau von Getreide, Mais und Hackfrüchte (z.B. Zuckerrübe) den Wildschweinen fast überall Schutz und Frass. Dadurch hat Deutschland eine sehr hohe Bestandsdichte zu verzeichnen. Im Herbst können durch das Nahrungsangebot die Bachen genügend Weiss (Winterschwarte) bilden. Mit dieser können sie längere Frostperioden überbrücken. Wildschweine sind sehr anpassungsfähige Tiere und auch sehr gute Schwimmer, nur in Hochgebirgszonen bilden hohe Schneelagen und starke Kälte natürliche Grenzen.
Vordringen in den städtischen Lebensraum
Die Anpassungsfähigkeit der Wildschweine zeigt sich besonders deutlich in Berlin. Wildschweine haben sich dort die stadtnahen Wälder als Lebensraum erobert und dringen heute auch in die Vorstädte ein. Gelegentlich führt sie ihr Weg bis in die Innenstadt. So mussten im Mai 2003 zwei Wildschweine erschossen werden, die auf dem Alexanderplatz auftauchten.
Lebensweise
Ausser den einzelgehenden Keilern leben Wildschweine in Familienverbänden, sogenannte Rotten. Ab dem 10. Lebensmonat nehmen Frischlinge die niedrigsten, alte Bachen hingegen die hohen Ränge ein. Es herrscht eine strenge soziale Rangfolge in den Rotten. Die Leitfunktion übernimmt die älteste Bache und wird somit als Leitbache bezeichnet, diese bestimmt z.B. den Aufbruch vom Ruheplatz, die An- und Rückmarschwege von den Suhlen, Malbäumen und Frassplätzen. Sauen ruhen am hellen Tag ganzjährig in Dickungen, sind also nachtaktiv. Regelmässig suhlen sich Wildschweine in Tümpeln oder Schlammsuhlen, dies ist sehr wichtig und eine Routineübung. Sie hilft nicht nur Parasiten vom „Leib“ zu halten, sondern schützt auch vor der Sonne in heissen Gegenden.
Rauschzeit
Die Rauschzeit (Paarungszeit) liegt zwischen November und Dezember. Auch hier spielt die Leitbache eine entscheidende Rolle. Durch Absondern eines Sekrets der Augendrüse und des Speichels an Zweigen, kleinen Stämmen usw. signalisiert sie schon 14 Tage vor ihrem Rausch, dass sie „willig“ ist. Dadurch animiert sie andere mit ihr verwandte Bachen, ihr es gleich zu tun. Das bezeichnet man auch als Rauschzeitsynchronisation. Das zeigt wie das Leittier auch während der Rauschzeit Verhaltensweisen ihrer Rotte steuern kann. Durch die Markierung geben die Keiler ihr Einsiedlerleben auf, suchen die Rotte und markieren in ähnlicher Form. Der Stärkste unter ihnen, der oft in harten, lauten Rangkämpfen ermittelt wird, kommt zum Beschlag.
Frischlinge werden nach der Tragezeit von 114-118 Tagen im März/April in einen Wurfkessel geboren. Die durchschnittliche Wurfstärke beträgt zwischen zwei und neun Frischlingen.
Sinne
Der Windfang des Schwarzwildes ist mit einer ungewöhnlich hohen Zahl von Riechzellen ausgestattet. Er dient der Nahrungsfindung und -unterscheidung, dem Verhalten im Sozialverband, bei der Rausche und hilft vor allem bei Feindvermeidung entscheidend. Bei Verdacht wird die Luft hörbar mehrfach und verstärkt eingesogen, somit können Sauen noch nach 3 Stunden eine Feindspur sicher wahrnehmen. Sauen äugen zwar räumlich, allerdings recht schlecht. Ganze Rotten können Jäger und Hunde auf kürzester Entfernung passieren, falls diese stillstehen. Allerdings bei bestimmten Geräuschen, wie z.B. das Einstechen einer Waffe, veranlassen die Sauen zur sofortigen Flucht ohne weitere Überprüfung der Gefahrenquelle. Andere Geräusche, wie z.B. die eines Mähdreschers, begegnen sie ohne Furcht.
Zubereitungstipps
Kräftiges, aromatisches Fleisch. Besonders gut als Braten, Gulasch oder Ragout. Jüngere Tiere (Frischlinge, Überläufer) sind zarter. Gut marinieren und langsam schmoren.
Steckbrief
Kategorie: Fleisch
Saison: Juni - Januar
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