Gams

Beschreibung

Allgemein

Das Gamswild oder auch Gämse genannt, zählt zu einer der faszinierendsten Wildarten. Seine Sprungkraft ist erstklassig, sein Klettervermögen hervorragend und es besitzt eine ungewöhnliche Schneesicherheit. Das Gamswild gilt bei den Jägern als Herausforderung zu bejagen, nicht zuletzt auch, wegen ihrer ausgeprägten Sinne. Das männliche Gamswild wird als Bock bezeichnet, das Weibliche als Gais und die Nachkommen als Kitze. Die Lebenserwartung liegt bei den Gaisen über 20 Jahre, Böcke erreichen dieses Alter so gut wie nie. Das Gamswild ernährt sich vegetarisch. Im Sommer äst es vor allem Gräser, verschiedene Kleearten und Kräuter, im Winter hingegen Baumflechten (wegen hohen Eisengehalt), Latschen, Moos. Durch den Verbiss an den Baumtrieben kann es erheblichen Schaden in den Wäldern anrichten. Im Sommer ist das Fell rotbraun, im Winter dunkelbraun bis schwarz. Auffällig ist entlang des Rückens der Aalstrich. Er ist länger und dunkler als der Rest der Haare und hat weisse Spitzen. Das wohl markanteste und bekannteste Augenmerk ist der „Gamsbart“.

Krucken und Brunftfeigen

Männliche und weibliche Gams tragen schwarz gefärbte, oben nach hinten gekrümmte Krucken. Jedes Jahr wird eine neue Horntüte gebildet, welches die des Vorjahres nach oben schiebt. Dies bezeichnet man als Basiswachstum, da die ältere Schicht von der Jüngeren vorangeschoben wird. Die Krucke wächst im Allgemeinen von Mai bis Dezember und kann zwischen 21 und 26 cm lang werden. Spitzentrophäen sogar bis 32 cm. Die Stelle beim frischgesetzten Gamskitz, wo die Krucke wachsen soll, ist noch mit Haaren bedeckt. Erst ab dem 2. Lebensmonat trägt es kleine, stumpfe Hornkegel. Im Laufe des 1. Lebensjahres bilden sich diese Kegel zu festen Kruckenspitzen aus. Im 2. Lebensjahr kommt es zum stärksten Längenwachstum der Krucke und es bekommt schon richtige Haken. Vom 3. bis 5. Lebensjahr wächst die Krucke gering. Das Hauptwachstum ist beendet, ab jetzt wächst es nur noch 1 bis 2 Millimeter im Jahr. Allerdings lässt sich das Alter der Gams gut über die Krucken ermitteln. Hinter den Krucken von Gamsbock und der Gais befinden sich 2 Drüsen, die sogenannten Brunftfeigen. Besonderer Einsatz beim Bock, er setzt während der Brunftzeit seine Geruchsmarken damit.

Lebensraum in Deutschland

Die Gams hält sich überwiegend in Hochlagen oder Hochgebirgen auf. Bei uns wurde es in den Regionen Schwarzwald, Schwäbische Alb und Elbsandsteingebirge eingebürgert. In der Sommerzeit bevorzugt es Einstände in Hochlagen, sowie „Kampfzone“ des Bergwaldes. Im Winter zieht es sich entweder in tiefer gelegene Waldzonen zurück oder steigt auf steile, sonnige Hänge. Eine reine Waldgams gibt es in Vorbergen mit Höhenlagen unterhalb der Baumgrenze. Meist sind aber in den Lebensräumen der Gams Felseinspruünge vorhanden. Äsung, Deckung und Ruhe entscheiden, wo das Gamswild seinen Einstand sucht.

Lebensweise

Gämse sind Tagtiere, da sie bei der Fortbewegung im steilen Gelände auf Sicht angewiesen sind. Auf Grund massiver Störungen, etwa durch Touristen, können sie jedoch nachtaktiv werden. Sie leben in grösseren Rudeln meist zusammengesetzt aus Gaisen, Kitzen und noch nicht geschlechtsreifen Böcken, so genannten Jährlingen. Gamsrudel haben in ruhigen Revierteilen, den sogenannten „Gamsmutter“ oder „Gamshoamatl“, ihren Einstand. Ein Rudel wird immer von einer führenden Geiss, d.h. eine Geiss mit Jungtieren geführt, diese wird auch als Leitgais bezeichnet. Sollte das Kitz ums Leben kommen, verliert die Leitgeiss sofort die Stellung und wird durch eine andere „führende Geiss“ abgelöst. Drei bis fünf Jahre alte Böcke bilden in den Sommertagen, der Feistzeit, kleine Trupps (Junggesellenrudel). Sie halten sich fern vom Scharwild. Ältere Böcke sind meist Einzelgänger. Die Gams ist ein bewundernswerter Kletterer und Springer. Sie zeigen auf der Flucht hohe Gewandheit und Schnelligkeit. Während der Flucht verhofft das Gamswild immer wieder, sogenanntes „Haberl machen“ und sichert zur Unruhequelle zurück.

Brunft

Die Brunftzeit bei Gämsen beginnt Mitte Oktober und endet im Dezember. Dauert im Dezember die Brunft noch deutlich an bedeutet dies entweder, es handelt sich um eine Ausnahmeerscheinung oder die Bestände zeichnen sich durch ungünstige Geschlechterverhältnisse aus. In tieferen Lagen beginnt die Brunft früher. Gamsböcke beteiligen sich im Regelfall erstmalig mit 3 oder 4 Jahren, Gaisen werden überwiegend ab dem 3. Lebensjahr beschlagen. Der Platzbock stellt sein Rudel nicht so stark zusammen wie der Platzhirsch. Der Platzbock verhält sich auch anders als der Rothirsch. Gamsböcke kämpfen nicht „Horn an Horn“. Da Böcke während der Brunft keine Nahrung aufnehmen, dient das Vermeiden solcher Kämpfe als „Energiesparmassnahme“. Die Krucken werden nur im Übereifer des Gefechts eingesetzt. Oft liefern sie sich eine Hetzjagd. Dies geht meist so lange bis einer von beiden Kontrahenten aufgibt. Bei Gamswild, welches lebhaft hetzt, handelt es sich meist um die Böcke. Gaisen die nicht oder noch nicht brunftig sind, trollen nur vor dem Bock weg. Sind sie allerdings brunftig, lassen sie sich ohne Widerstand beschlagen. Nach einer Tragzeit von 24 bis 26 Wochen werden in der Regel ein, sehr selten zwei Kitze gesetzt. Kitze werden 6 Monate lang gesäugt, also fast die ganze Jagdzeit über. Ein nasskaltes Frühjahr, auch Setzzeit genannt, erhöht die Kitzsterblichkeit.

Sinne

Gämse verfügen über einen sehr grossen Gesichtskreis, wegen der (im Vergleich zu Reh) weit seitlich stehenden Lichter, zudem über ein gutes Bewegungssehen. Sie winden (riechen) und vernehmen sehr gut. Auf gebietsfremde Geräusche, etwa das Aufschlagen der Metallspitze eines Bergstockes, reagiert es mit sofortiger Flucht. Natürliche Geräusche hingegen spielen keine Rolle, wenn z.B. Steine abgehen, kann es nicht mal eine Reaktion bei der Gams herauslocken.

Zubereitungstipps

Würziges Fleisch mit intensivem Geschmack. Schmoren und Beizen empfohlen. Klassisch als Gamsbraten oder Gamsragout mit Knödeln.

Steckbrief

Kategorie: Fleisch

Saison: August - Dezember

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